1. April 2026
UX&I Unconference rund um KI: Wo stehen wir und wo geht es hin?

Wir hätten noch Monate diskutieren können, wie wir als Team mit KI umgehen wollen. Stattdessen haben wir uns drei Tage rausgenommen, um gemeinsam zuzuhören, zu evaluieren und ehrlich zu sein. Jurten, Lagerfeuer, mitten im Nirgendwo. Mit einem Gastredner von codecentric, einer live und gemeinsam geschaffenen Agenda und dem festen Vorsatz, diese Fragen zu klären: Wo stehen wir? Was funktioniert bereits? Wo fehlen noch Antworten?
Warum jetzt, und warum so?
KI ist bei UX&I kein Randthema mehr. Es steckt in Projekten, in Prozessen, im Alltag. Nur hatten wir noch keinen guten Überblick, was wo und wie genau passiert, bei uns und auch bei unseren Kund*innen. Das Unconference-Format passte dazu: Keine vorgegebene Agenda, keine Frontalvorträge. Die Themen entstehen aus dem Team heraus. Wer ein Thema einbringt, moderiert es selbst.
Keynote: Code wird billiger, Spezifikationen teurer
Den Auftakt machte Jan Oberhagemann, Principal Consultant und People Lead bei codecentric in Hamburg. Er brachte eine These mit, die uns durch den Rest der Unconference begleitet hat: „Code wird billiger, Spezifikationen teurer.“ Wenn KI die Implementierung beschleunigt, verlagert sich das Bottleneck in die frühere Phase des Prozesses: zur Frage, was genau entwickelt werden soll. Für UX-Teams ist das kein Bedrohungssignal, sondern eine Verschiebung der Relevanz.
Jan zeigte anhand eines konkreten Projekts, was das in der Praxis bedeutet: Zwei Entwickler und ein PO haben mit KI die Leistung eines zehnköpfigen Teams erbracht und ein Projekt gerettet, das ohne diesen Ansatz nicht fertiggestellt worden wäre. Entscheidend für die Effizienz aber war: Anforderungen mussten präziser sein als je zuvor, Entscheidungen schneller kommen.
Sein Fazit – frei nach Kent Beck – hat es auf den Punkt gebracht: Den Wert von KI nur in Headcount-Reduktion zu sehen, ist wie zu sagen, der einzige Wert eines Autos sei, dass man kein Pferd mehr bezahlen muss.

Ein kurzer Einblick in die Sessions

Hackathon: In 45 Minuten entsteht ein Produkt
Am Freitag starteten wir mit einem Hackathon. Das Team legte direkt los und baute unter der Regie von Kay Spiegel und Flora Maxwell ein internes Tool: einen Freigabe-Workflow für Weiterbildungen und Konferenzen, der einen bisher umständlichen Abstimmungsprozess endlich vereinfachen soll. Was unvergesslich war: der Moment, in dem plötzlich sechs KI-gesteuerte Cursor gleichzeitig in Pencil herumhuschten und vor aller Augen ein Produkt entstand. Das Thema ließ uns nicht los. In zwei weiteren Sessions über das Wochenende wurde am Produkt weitergebaut und live gezeigt, was schon geht und wie sich beispielsweise Pencil, Figma Make und Claude Code nutzen lassen, um in kürzester Zeit aus einer ersten Idee einen funktionierenden Prototyp zu bauen.
„Die Unconf hat mir richtig viel Energie gegeben. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, gemeinsam ‘einfach mal zu machen’ und voneinander zu lernen. Ich liebe dieses Gefühl von Enablement, das mir KI als Werkzeug gibt!“ — Flora Maxwell, Senior UI-Designerin

UX&I und KI: eine Bestandsaufnahme
Mike Holtkamp stellte die Frage: Wo stehen wir aktuell als Organisation in puncto KI. Denn klar war, dass das Knowhow in der Firma vorhanden ist, aber es ist noch nicht gut sichtbar. Viel passiert still, nebenher, ohne dass die anderen davon wissen. In unterschiedlichen Projekten werden unterschiedliche Tools genutzt. Mike und die Teilnehmer*innen machten sichtbar, was bereits wie verwendet wird, von der Prompteingabe im GUI bis zur Kommandozeile, von Custom GPTs bis zu Agents und Skills für verschiedene Anwendungsfälle wie z. B. reproduzierbare Accessibility-Audits. Zudem wurden viele kleine, aber wirkungsvoll Tipps geteilt, z. B. direkt am Anfang ein Glossar für das Projekt anlegen, um wirkungsvolleren Output zu erzielen.
Nach welchen KI-Prinzipien wollen wir arbeiten?
Kay Spiegel und Jessica Berger luden ein zu einer Diskussion über KI-Prinzipien. Im Vorfeld wurden elf AI-Prinzipien für UX&I erarbeitet, von Datenschutz bis zu ethischen Leitlinien, z. B. "Fairness ist nicht verhandelbar" oder "Erklärbarkeit ist Teil der UX". Diese wurden in der Session vorgestellt und lebhaft diskutiert. Es zeigte sich, wie passend der aktuelle Zeitpunkt ist, um sich über Prinzipien gemeinsam auszutauschen und dabei wichtige Fragen für die Arbeit mit KI zu klären. Die vorgeschlagenen Prinzipien bilden nun die Basis für eine firmeninterne Auseinandersetzung, die uns Orientierung geben und unseren Kunden Transparenz bieten soll.
„Hoppla, alles so schön schnell hier“
Hias Wrba warf eine unbequeme Frage in den Raum: Werden wir durch KI wirklich schneller oder nur beschäftigter? Seine Antwort: Velocity bedeutet nichts ohne Richtung. Delivery-Geschwindigkeit nützt wenig, wenn Discovery-Geschwindigkeit nicht mithalten. „Time to insight“ ist genauso wichtig wie „Time to market“. Das ist genau der Hebel, an dem UX ansetzen kann.

Schafft Sales sich selbst ab?
Patrick Oselka, Geschäftsführer bei UX&I mit Fokus auf Sales, beschäftigte sich mit der Frage: Was bewegt unsere Kund*innen wirklich? Sein Ansatz: die Blasen platzen lassen, die sich zwischen fachlichen Anforderungen und Management-Abhängigkeiten bilden, um besser zu verstehen, was tatsächlich entschieden werden muss. Als konkretes Ergebnis seiner Arbeit hat er einen Claude-Skill trainiert, der dem gesamten Team jetzt zur Verfügung steht.
Projekterfahrungen
Claudia Schönwälder, Senior UX-Beraterin bei UX&I, fragte in ihrer Session, wie wir mit Arbeitsplätzen umgehen, in denen es um den human in the loop geht, also um die Rolle der Menschen in Zusammenarbeit mit KI und hochautomatisierten Arbeitsplätzen – und welche Verantwortung wir als UXer dabei tragen. Hier spielt für uns auch unser Unternehmenspurpose eine Rolle: „We empower people to shape technology for the benefit of humans.“
Rainer Sax diskutierte, welchen Wert Intellectual Property in einer Welt hat, in der Spezifikationen und Wünsche zunehmend wertvoller werden als die Implementierung selbst.
Ein Agent als Projektgedächtnis
Kay Spiegel hat das Framework „Robinson" gebaut, mit dem sich Projekte KI-gestützt strukturiert und nachvollziehbar dokumentieren lassen. Das Framework bietet z. B. ein Projekttagebuch, in dem die KI gezielt Fragen stellt, eine erleichterte Doku der wichtigsten Entscheidungen und Erkenntnisse, automatisierte Zusammenfassungen von Meeting-Notizen oder ein Glossar, das das gemeinsame Verständnis zentraler Begriffe sicherstellt. Das Ergebnis: Projekte werden transparenter, Onboardings einfacher, Teams wirkungsvoller.
Strategiefix en passant
Tobias Schlei, Geschäftsführer bei UX&I, wollte eigentlich einige technische Module der Website fixen, und arbeitete sich dafür in Vibecoding ein. Was dabei fast nebenbei entstand, war etwas viel Größeres: ein Framework, mit dem sich eine ganze Unternehmensstrategie anpassen oder neu entwerfen lässt. Nach Anfängen in Cursor oder n8n hat er nun in Claude Code einen Agenten mit vielfältigen Skills gebaut, das UX&I in unterschiedlichen Gewerken und Anwendungsfällen hilft, von Strategie über Marketing bis Sales.
KI-Selbsteinschätzung
Robert Lischke stellte die AI-Skillmap von John Maeda vor, einem der einflussreichsten Vordenker an der Schnittstelle von Design und Technologie. Mit dem Framework lässt sich die eigene Maturity im Bereich KI einschätzen. Die Teilnehmenden probierten es live aus und diskutierten anschließend ihre Eindrücke. Die Meinungen waren gemischt: Die konkreten Empfehlungen zur Weiterentwicklung kamen gut an, gleichzeitig gab es die Frage, ob eine Bewertung aktuell das Richtige ist, wo wir gerade auch die Vielfalt brauchen und zudem jede*r erst einen Kontext und Use Case braucht, um mit KI weiterzukommen.
AI Design Sprint®
Nadine Piepers Session galt unserem neuen Angebot: dem AI Design Sprint®, einem strukturierten, KI-gestützten Sprint-Format. Am fiktiven Use Case "Technogym" führte Nadine in 45 Minuten durch einen echten – wenn auch verkürzten – AI Design Sprint. Ergebnis: Eine solide Grundlage für den Techcheck, sprich ein fertiges technisches Briefing, ganz ohne Vorwissen in AI-Tools.

Was bleibt
Drei Tage haben nicht alle Fragen beantwortet, aber sie haben uns gezeigt, was bereits möglich ist und welche Fragen es wirklich wert sind, gestellt zu werden. Wir haben eine erste Basis für unsere KI-Prinzipien, viele Denkanstöße und eine Menge Inspiration mit nach Hause genommen. Und wir sind mit einem Leuchten in den Augen rausgegangen: voller neuer Möglichkeiten und einer Gewissheit, die sich verändert hat. Die Frage ist nicht mehr „Geht das?“ — sondern: „Was wollen wir damit ermöglichen?“ Für uns. Und für unsere Kunden.
„Es war unglaublich inspirierend, die vielfältigen Ansätze der Kolleginnen zu erleben. Besonders wertvoll war die gemeinsame Erkenntnis: Die KI ist aktuell kein Ersatz für unsere Expertise, sondern vielmehr ein Sparringspartner, der uns im kreativen Prozess unterstützt.“ Jessica Berger, Senior UX-Beraterin
„Mein größtes Takeaway: AI-Agenten sind heute ein echter Gamechanger, aber nur wer sie sinnvoll und outcome-getrieben einsetzt, hebt ihr volles Potenzial – sonst wird aus einem mächtigen Werkzeug schnell ein zeitfressendes Spielzeug.“ Mato Sauer, Customer Empowerment Lead
„Es war super, in die Kochtöpfe der anderen zu schauen und zu merken, was alles in der Firma brodelt. Wir alle arbeiten mit ‘der KI’, aber das sieht teilweise ganz anders aus. Mit anderen Blickwinkeln und Use Cases, und natürlich Tools.“ Juliana Hirsing, Senior UX-Writerin



Über UX&I
UX&I bietet Beratung, Enablement und Umsetzung rund um das Thema User Experience (UX). Schwerpunkte liegen auf Deep Tech, Enterprise Software und Digitalisierung. Unser Ziel ist es, Menschen darin zu unterstützen, komplexe Technologie in den Dienst der Nutzer*innen zu stellen. Dabei vereinen wir alle relevanten Perspektiven: von Mensch, Business und Technologie.
Standorte: Düsseldorf (Hauptsitz), Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main, München
Mitarbeiter*innen: 37
Gründung: 2014
Unternehmen: u.a. zehn der fünfzehn größten deutschen Unternehmen setzen auf unsere UX-Expertise
Dein Ansprechpartner
Tobias Schlei
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