2. Februar 2026
Komplexe Software, klare Interfaces: Sascha Werder verstärkt das Product Design bei UX&I

Sascha, du bist als Senior Product Designer zu UX&I gekommen. Was hat dich an der Rolle und am Umfeld gereizt?
Der Auftritt von UX&I wirkte auf mich von Anfang an sehr professionell und gleichzeitig sympathisch. Mir ist wichtig, dass ich mich mit den Menschen wohlfühle, und genau dieses Gefühl hatte ich. Außerdem habe ich schnell gemerkt, dass eine starke fachliche Expertise vorhanden ist. Das hat mich sehr gereizt.
Die Rollenbeschreibung passte sehr gut zu dem, was ich bereits gemacht habe und weiter machen wollte. Gleichzeitig war sie eine echte Herausforderung und damit der logische nächste Schritt für mich. Besonders spannend fand ich den klaren Fokus auf UI Design mit der Möglichkeit, auch im UX-Kontext mitzudenken. Dazu kam der Schritt zu noch mehr Eigenverantwortung. Ich kam aus einer klassischen Festanstellung und wollte selbstständiger arbeiten.
Ein weiterer Punkt war das 4+1-Modell. 20 % der Arbeitszeit wird bewusst für Austausch, Lernen und neue Perspektiven eingeplant, das kannte ich so noch nicht. Das dahinterliegende Mindset hat mich überzeugt und gibt mir ein großes Gefühl von Freiheit.
Wo kommst du fachlich her und warum hast du dich auf UI Design fokussiert?
Ich komme ursprünglich aus dem klassischen Grafikdesign und bin schon lange im Beruf. Schon früh haben sich meine Aufgaben in Richtung Web und später Apps verschoben. Digitale Produkte haben mich deutlich mehr gecatcht als klassische Gestaltung.
Nach einer bewussten beruflichen Reflexionsphase war mir klar, dass ich einen klaren Fokus im Design verankern möchte. UI Design hat mir genau das gegeben. Es verbindet Gestaltung mit Struktur und Nähe zur tatsächlichen Nutzung. Seitdem ist UI Design mein Schwerpunkt, UX-Themen kommen ergänzend dazu.
Viele unserer Kund*innen stehen unter hohem Zeit- und Ergebnisdruck. Welche Rolle spielt UI Design dabei, Software wirklich effizient nutzbar zu machen?
UI Design ist für mich mindestens das i-Tüpfelchen einer guten, intuitiven Bedienung. Nur wenn etwas wirklich gut bedienbar ist, wird Software gern und effizient genutzt. UI macht Konzepte greifbar und hilft Nutzer*innen, sich zu orientieren, ohne nachdenken zu müssen.
Ein zentraler Punkt ist, Informationen richtig zu priorisieren und Nutzer*innen nicht zu überfordern. Ich achte auf Details, denn genau sie machen am Ende den Unterschied. Oder wie Charles Eames es formuliert hat: The details are not the details, they make the design.
Zur Effizienz gehört für mich auch, vorausschauend zu denken. Welche Zustände gibt es, welche Edge Cases, wie viele Varianten brauchen wir wirklich? Wenn Verhaltensweisen sauber durchdacht und gut dokumentiert sind, wird die Abstimmung mit der Entwicklung deutlich einfacher und es entstehen weniger Rückfragen. Das spart am Ende Zeit für alle.
In Enterprise-Projekten treffen fachliche Komplexität, technische Einschränkungen und unterschiedliche Stakeholder-Interessen aufeinander. Wie gehst du mit diesen Spannungsfeldern um?
Das ist immer sehr individuell. Oft geht es nicht ohne Kompromisse, gerade bei technischen Einschränkungen. Ich frage mich dann: Ist das wirklich sofort wichtig oder eher ein Thema für einen späteren Schritt? Der MVP-Gedanke spielt da eine große Rolle.
Sobald ich das Thema verstanden habe, starte ich meist direkt mit der Gestaltung. Zu frühe Einschränkungen würden mich eher blockieren. Gleichzeitig ist mir viel Austausch wichtig: reden, hinterfragen, Meinungen einholen. Ich arbeite eng mit Konzeptverantwortlichen zusammen und teile Entwürfe, sobald sie für mich stimmig sind.
Transparenz ist entscheidend, damit Stakeholder jederzeit wissen, wo wir stehen. Meine Entscheidungen muss ich gut verargumentieren können. Gleichzeitig kämpfe ich nicht bis aufs Blut für eine Lösung. Gesunder Pragmatismus gehört dazu. Am Ende geht es darum, im Sinne des Projekts voranzukommen und nicht in Diskussionen zu verharren.
Gibt es typische UI-Probleme, die dir in komplexen Enterprise-Projekten begegnen?
Ein sehr typisches Thema ist der Wunsch, zu viele Features unterzubringen. Irgendwann stößt man dabei an UI-Grenzen. Dazu kommen oft unterschiedliche oder unklare Vorstellungen auf Stakeholder-Seite. Häufig weiß man eher, was man nicht will.
Am Anfang gibt es dann viel Freiheit, später wird aus internen oder politischen Gründen stark zurückgerudert. Das gehört zur Realität solcher Projekte. Wichtig ist, die eigene Arbeit gut zu begründen und gleichzeitig Abstand zum eigenen Entwurf zu behalten. Der erste Entwurf ist ohnehin nie der finale.
Was treibt dich an, gerade wenn Projekte komplex oder zäh werden? Und woran erkennst du ein gutes Produkt?
Mich motiviert es, Produkte zu gestalten, die nicht nur ästhetisch sind, sondern echten Mehrwert bieten. Wenn etwas funktioniert, effizient ist und es Spaß macht, es zu bedienen, ist das ein großer Antrieb.
Natürlich gibt es auch zähe Phasen. Dann versuche ich, den Blick wieder auf das Ziel zu richten und mich auf das zu konzentrieren, was bereits gut läuft. Der Rückhalt durch Kolleg*innen hilft dabei sehr, genauso wie eine gewisse Professionalität als Dienstleister.
Ein gutes Produkt erkennt man für mich daran, dass man nicht darüber nachdenken muss, wie es funktioniert. Es ist intuitiv, schlank und nicht überfordernd. Als visueller Mensch spielt Ästhetik für mich natürlich eine wichtige Rolle. Aber es muss nicht das Neueste oder Lauteste sein, sondern klar, reduziert und stimmig.
Zum Schluss: Hast du einen Fun Fact über dich?
Ich kann perfekt Spannbettlaken zusammenlegen.

Über UX&I
UX&I bietet Beratung, Enablement und Umsetzung rund um das Thema User Experience (UX). Schwerpunkte liegen auf Deep Tech, Enterprise Software und Digitalisierung. Unser Ziel ist es, Menschen darin zu unterstützen, komplexe Technologie in den Dienst der Nutzer*innen zu stellen. Dabei vereinen wir alle relevanten Perspektiven: von Mensch, Business und Technologie.
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Gründung: 2014
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